Jurisdiction Support for Refugees through Thoughtful Software

Das Projekt Jurisdiction Support for Refugees through Thoughtful Software – kurz JuST – widmet sich einem gesellschaftlich hoch relevanten und zugleich sensiblen Themenfeld: dem Zugang zu rechtlicher Information und Beratung für geflüchtete Menschen in Deutschland. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ist Deutschland auf Fachkräfte angewiesen, während gleichzeitig viele Menschen migriert sind, die bereits qualifiziert sind oder ein Studium aufnehmen bzw. fortsetzen möchten. Der Zugang zu rechtlicher Beratung stellt dabei jedoch häufig eine große Hürde dar.
Das deutsche Rechtssystem ist komplex, Beratungsangebote sind begrenzt, oft kostenintensiv und durch Sprachbarrieren schwer zugänglich. An Hochschulen wird dieser Bedarf vielfach durch ehrenamtliche Initiativen – etwa Refugee Law Clinics – aufgefangen. Deren personelle Kapazitäten sind jedoch begrenzt, und digitale Werkzeuge kommen bislang kaum zum Einsatz.
JuST setzt genau hier an und verfolgt das Ziel, ehrenamtliche Rechtsberatung durch digitale, datenschutzkonforme Softwarelösungen zu unterstützen. Der Einsatz von Legal Tech wird dabei bewusst nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung menschlicher Expertise verstanden. JuST zielt ausdrücklich nicht auf automatisierte Rechtsprüfung oder Entscheidungsfindung ab, sondern auf Aufklärung, Strukturierung und Unterstützung bei der Nutzung bestehender rechtlicher Möglichkeiten.
Im Rahmen des Projekts wird ein multilingualer Prototyp entwickelt, der sowohl den 24/7-Erstkontakt ohne beratende Person ermöglicht als auch ehrenamtliche Berater:innen bei ihrer Arbeit entlastet. Manuelle Arbeitsschritte sollen reduziert werden, damit begrenzte – insbesondere ehrenamtliche – Ressourcen möglichst effektiv eingesetzt werden können.
Die Entwicklung erfolgt im Hochschulkontext und fokussiert zunächst die Rechtsbereiche Studium, Aufenthaltserlaubnis, Niederlassungserlaubnis sowie Verhinderung von Abschiebung. Ziel ist es, geflüchteten Menschen ein sicheres Studium und den Aufbau einer eigenen Existenz zu erleichtern. Perspektivisch wird geprüft, ob und wie JuST auf weitere Rechtsgebiete ausgeweitet und für mehrsprachige Beratung im öffentlichen Dienst nutzbar gemacht werden kann.
Der JuST-Prototyp basiert auf drei zentralen Funktionalitäten:
- Rechtsunterstützung durch strukturierte Abbildung der relevanten Rechtsbereiche,
- natürlichsprachige, multilinguale Interaktion über eine Chatbot-Schnittstelle,
- automatisierte Antrags- und Dokumentengenerierung, bei der Nutzer:innen stets die finale Kontrolle behalten.
Technisch basiert JuST auf einer Retrieval-Augmented Generation (RAG)-Architektur, die mit einschlägigen Gesetzestexten angereichert ist. Als Sprachmodelle kommen Open-Source-LLMs der LLaMA-Familie zum Einsatz, um einen kontrollierten, transparenten und datenschutzkonformen Betrieb zu gewährleisten. Die Implementierung erfolgt in Python, ergänzt durch ein Node.js-basiertes Frontend für Demonstrations- und Evaluationszwecke.
Das Projekt wird an der Universität Hamburg in Kooperation mit Eva Bittner, Wiebke Judith, Quint Haidar Aly (ACCICE), Martin Semmann & Marten Borchers (Hub of Computing and Data Science) und Benjamin Klinkigt (Auxiliary AI GmbH) durchgeführt und von der Hamburg Innovation GmbH im Rahmen des Calls for Transfer gefördert.